Interview mit Malte Christensen aka Kopfbunt

Heute will ich mal eine neue Rubrik einführen. Ich werde demnächst Interviews mit Designern veröffentlichen, welche mir empfohlen wurden bzw. mir durch ihre gute Arbeit aufgefallen sind.

Der erste Designer im Interview ist Malte Christensen. Sein Nickname im Netz ist Kopfbunt. Er twittert, bloggt und ist mir auf der Stelle sympathisch gewesen. Hier das Interview (die Kopfquetsche quetscht zurück):

Wie heißt Du? Wo lebst Du? Wo kommst Du ursprünglich her? Familie? Freundin?

Malte Christensen im Interview

Malte Christensen im Interview

Moin, mein Name ist Malte Christensen und ich lebe in Berlin. Mein Wurzeln liegen im Norden von Deutschland und zwar an der schönen Ostsee. Ich bin ein BeachBoyDesigner mit Seele. Familie vielleicht und Freundin auf jeden Fall ;-)

Wie bist Du auf deinen Beruf gekommen?

Meine Leidenschaft für die kreativen Dinge im Leben habe ich schon seit ich denken kann. Ich zeichnete viel und liebte den Kunstunterricht in der Schule. Meine Leidenschaft hieß damals noch nicht Design, sondern zeichnen, kunst und Graffiti. Meine kreativen Wurzeln lebte ich zu Jugendzeiten mit Sprühlacken aus. Ich klügelte an Buchstabenformen und Farbkombinationen. Ich verdiente mein Taschengeld mit Graffiti- und Airbrush-Aufträgen. Es ist auch der kommunikative Faktor, den ich an Graffiti mag … Leben wollte ich davon jedoch nie.

Durch mein Interesse an lebendiger Typografie und nach meinem Schulabschluss hab ich dann erst einmal geschaut, was man als junger KreativKopf beruflich machen kann. Ich wollte erst eine Ausbildung zum Mediengestalter machen und hab dann im letzten Moment doch noch das Design-Studium vorgezogen … es wurde also Kommunikationsdesign … das passt gut zu mir und hört sich strukturierter an als freie Kunst ;-)

Noch während des Studiums ging ich mit einem Freund in die Selbständigkeit … ich wollte aus den gelernten Informationen Wissen machen. Und da bin ich nun – auf dem Pfad des Designers und Freelancers. Nach wie vor auf der Jagd nach neuem Wissen … und das schöne ist … man lernt wirklich nicht aus ;-)

Kopfbunt - der Blog

Kopfbunt - der Blog

Was ist Kopfbunt für Dich?

Dieser Begriff ist wie die meisten Ideen von mir im »KonzeptSpiel« entstanden. Kopfbunt ist für mich der Begriff der mich, mein Handeln und meine Art zu leben wiedergibt. Ich bin ein Mensch mit Spieltrieb, aber auch mit sehr viel Struktur und Denken. Viele Menschen verbinden Spiel mit Unreife oder etwas Kindischem. Spiel ist für mich essentiell, um locker im Leben zu sein und kreativ zu bleiben. Kopfbunt ist beides. Laut und leise, verspielt und strukturiert … einfach ein Begriff, der viel Platz zur eigenen Interpretation lässt. Ein Begriff, der bunte Bilder in den Köpfen entstehen lassen soll. Er gibt mir ein Gefühl von freier Entfaltung …

Was bedeutet der Begriff Design für Dich?

Maltes Visitenkarte

Maltes Visitenkarte

Design ist für mich ein Begriff für ein weites Feld … nichts weiter … ich habe sogar eine Zeitlang ein Problem gehabt den Begriff für mich zu definieren. Ich habe mich sehr lang gefragt was Design für andere ist und was für mich. Ich studiere mein Leben lang Design, deshalb muss ich es für mich definieren. Design ist nämlich nicht eindeutig – wenn ich mit jemandem über »Design« rede, dann kann es sein, dass wir von völlig verschiedenen Dingen reden.

Es ist nur so ein Schlagwort für die meisten. Überall steht Design drauf und meistens ist für mich keines drin. Design steht für die viele Menschen für ein oberflächliches Schick, für mich bedeutet es Verantwortung und gesellschaftliche Veränderung, bzw. gibt es im Idealfall einer Idee eine passende Form und einen Mehrwert. Für mich ist Design das, wie man es persönlich auslebt. Schickmachen ist für mich kein Design. Für mich hat Design »Tiefe« und ne Menge Power!

Design ist für mich auf jeden Fall nicht Photoshop, Indesign oder irgendein Werkzeug in die Hand nehmen und »schön machen«. Das erste was ich mache, wenn ich mit einem Designprozess beginne ist den Rechner aus. Design ist für mich eine schöpferische, geistige Leistung. Für mich ist ein gutes Konzept der Nährboden für ein erfolgreiches Design.

Design ist nicht nur die Hülle … Design ist auch Seele!

CD Cover Design @Kopfbunt

CD Cover Design @Kopfbunt

Cd Cover Design @Kopfbunt

Cd Cover Design @Kopfbunt

Hast du Vorbilder? Welche? Was ist an diesen so toll?

Ich habe Vorbilder … allgmein mag ich Menschen die etwas bewegen. Menschen, die sich selbst reflektieren und nicht nur immer an sich denken. Menschen die einfach nett sind und lieben … Meine Vorbilder sind denke ich meine Freunde. Jeder von Ihnen hat etwas besonderes und dafür schätze und achte ich sie sehr!

Im Bereich Design schätze ich Menschen, die etwas mitzuteilen haben und über das Werkzeug hinausdenken. Beispiele wären für mich Klassiker wie Otl Aicher, einer der prägendsten deutschen Gestalter des 20. Jahrhunderts. Persönlich beeindruckt hat mich auch Kalle Lasn auf der Typo 2006 … er hat dort ein paar gehaltvolle Worte in seiner Keynote an die Designer gerichtet, die mich auf jeden Fall geprägt haben … YEAH! Den Vortrag von Lasn gibts als Video unter folgendem Link: HIER KLICKEN

Wo willst du in 10 Jahren stehen?

Ich würde gern auf dem Balkon eines von mir gestalteten Lebensraumes stehen im Stil der »Villa Kunter-Bunt« – tief Luft holen und die Meeresluft aufnehmen und meine Blicke über die Küste schweifen lassen. Ich würde gern in einem Kreis von Menschen leben, mit denen ich Sinnvolles vorantreibe und optimiere – Menschen mit denen ich mich austausche und Spaß habe. Ich hab ne tolle Familie und lebe in einer Welt ohne die »Doofen«. Ich muss keine »DekoJobs« machen und habe noch genauso Spaß an meinem Schaffen wie heute.

Der Mensch hat aus Fehlern gelernt. Die Politik ist ehrlich und man kann vertrauen. Die Konzerne haben verstanden und werden ehrlich … Design ist keine Seifenblase, sondern wird ehrlich. Designer sind keine Dekorateure sondern Gestalter der Kultur. Die Medien machen keine Angst, sondern sind ehrlich. Jeder einzelne hat bemerkt, dass man als einzelne Person viel Power hat und eine Menge reißen, bzw. verändern kann. Lächeln hat sich in den Gesichtern durchgesetzt … das Leben ist schön!

und jetzt realistisch: Wo willst du in 10 Jahren stehen?

… vor einem herrlichen, bunten Leben!

Woher holst du dir deine Anregungen her?

Aus meinem analogen und digitalen Alltag und den Menschen die mir dort begegnen.

Du spielst PS3 um dich zu entspannen? Was?

Kopfkuh - Wo hängt sie nur wo fliegt sie nur?

Kopfkuh - Wo hängt sie nur wo fliegt sie nur?

Ich merke du hast dich bestens informiert ;-) Die Playstation ist eine kleine, lustige Spielmaschine für mich. Die macht alles mit mir. Wir lachen, schreien, spielen und verbringen Zeit zusammen. Ich habe im Alter von ca. 17 Jahren gern mal ne Nacht durchgezockt. Heute ist doch anders. Ich sitze eh schon sehr lang vor einem digitalen Weltfenstern – auch Bildschirm genannt und die Playstation dient mir meist nur als KreativPause. Wenn ich mal abschalten muss oder auf andere Gedanken kommen will, dann kitzel ich meine Gehirnhälften am Liebsten mit »Little Big Planet« – Ein geniales buntes Spiel mir Liebe zum Detail. Es macht herrlich viel Spaß.

Little Big Planet? Was ist daran so super? Hat es Parallelen zu deinem Alltag? :)

Ich glaube, wenn ich gern ein Spiel entwickelt hätte, dann dieses! Es ist genial. So herrlich verspielt, spaßig und doch so verdammt professionell gemacht. Geniale grafische Details in Kombination mit MehrspielerSpielSpaß. Allein die Outfits, die man dem SackBoy verpassen kann, sind heiße Designerware. Mein Alltag wäre gar nicht so bunt wie man vielleicht denkt, ich probiere ihn mir und anderen einfach schön zu gestalten – Wow … seht da ein rosa Elefant am Himmel!

Du hast getwittert:
Design kann so richtig spass machen und schön sein, wenn auch eine Idee dahinter steckt. Einfach nur schön kann doch fast jeder …
was meinst du damit?

hehe … wie sich das anhört … ich habe getwittert :-) ))

Ich beobachte und erlebe im Design und der Ausbildung zum Designer, dass viele als Dekorateure ausgebildet werden. Man lernt an den meisten FHs und Unis im Bereich Design, wie man der Wirtschaft und den Corporations den »Allerwertesten« küsst. Wir werden zu »Umsetzern« erzogen nicht zu Denkern. Eigene Meinung – oft fehl am Platz! Das Design ist zu oft das letzte Glied in der Kette des Entstehungsprozesses.

Irgendwie haben die Menschen in Deutschland verpasst das Design in den Entstehungsprozess früh genug zu integrieren. In anderen Ländern in Europa ist Design viel tiefer in die Kultur integriert. Man definiert und lebt Design dort anders aus. Als Designer muss ich nicht Dekorateur werden, der Oberflächen nach Wünschen des Kunden dekoriert. Ich kann mit meinen Fähigkeiten und konzeptionellem Denken zum Erfolg beitragen und kann Position beziehen.

Es wurde in Deutschland versäumt zu zeigen, dass Design mehr kann als einfach nur gut auszusehen. Für mich beginnt gutes Design mit einer Idee. Es visualisiert Informationen, Ideen, Gedanken und gibt diesen im besten Fall den Mehrwert. Design ohne Gehalt, Funktion und Seele ist bloß eine leere Hülle für mich – leblos, langweilig und hat etwas von einer Seifenblase – ein paar Momente sieht sie gut aus, zieht Aufmerksamkeit … wenn die Blase dann platzt, sehe ich mir die nächste an … *plop*

Der heilige Grahl eines Designers. Hier Maltes Skizzenbuch.

Der heilige Grahl eines Designers. Hier Maltes Skizzenbuch.

Kopfbunt entwickelt sich aufgrund des sympathischen Auftretens meines Erachtens zu einer Größe. Dauert zwar noch aber es wird wenn du so weitermachst. Kommentar?

Das freut mich auf jeden Fall, dass du das denkst. Ich würde mich richtig freuen. Für mich ist es mehr als ein Blog oder eine Internetseite. Kopfbunt ist meine persönliche Spielwiese und ein Prozess gleichzeitig. Es geht los als Blog und es entwickelt sich weiter. Ich hab viele bunte Ideen im Kopf … die ich nach und nach umsetzen werde. Kopfbunt gibt es erst knapp ein halbes Jahr und gibt mir jetzt schon viel Energie zurück. Ich bin froh, dass es so gut läuft und das macht mir Mut.

Durch das Blog habe ich bereits eine Menge netter Leute kennengelernt … das bedeutet mir am Meisten. Es ist ein tolles Gefühl, wenn aus den Zahlen diverser WebanalyseTools nach und nach »Gesichter« werden, die Meinungen und Feedback hinterlassen. Es ist als ruft man in die Welt und plötzlich antwortet nicht einer sondern ein ganzes Team … so kann es auf jeden Fall weitergehen – YEAH!

ENDE Interview

Ich hoffe Euch hat das Interview gefallen. Wer Anregungen oder weitere Fragen hat, der soll diese doch einfach in den Kommentaren stellen. Vielleicht beantwortet Malte diese weiterhin.

3 Comments

  1. Tweetback! @kopfbuntNo Gravatar sagt:

    Moin Moin, Florian aka @Fligor hat mit mir ein Interview gemacht. Thema: Design. Zeit und Lust es zu lesen? Hier lang: http://is.gd/iGhV

  2. [...] ansetzt, der muss damit rechnen, dass andere auch mal Fragen stellen. Florian hat mich in die FrageZange genommen und mich zum Thema Design [...]

  3. MarkusNo Gravatar sagt:

    Krass, ein cooles Interview aber sehr lang! manchmal sehr spezielle einzigartige fragen (twitter/playstation), lässt sich eher lesen wie ein egspräch zwischen euch zwei, weniger interview. bin gespannt wie es beim nächsten interview wird.
    und @malte: “Für mich beginnt gutes Design mit einer Idee. Es visualisiert Informationen, Ideen, Gedanken und gibt diesen im besten Fall den Mehrwert.”
    cooles Statement, sehe ich genauso!

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